Living The Dream

on Sunday, 30 September 2018. Posted in CD

Uriah Heep

Living The Dream

Uriah Heep gehören mit Black Sabbath, Deep Purple und Led Zeppelin seit den 1970ern zum illustren Kreis der „Fab Four“ der Heavy Rock-Pioniere und haben seit den 1980ern immer wieder tolle Alben herausgebracht, erinnert sei hier nur an „Abominog“, „Sea Of Light“ oder „Wake The Sleeper“. Ihr neuestes Album „Living The Dream“ lebt aber wieder  von dieser Frische und Natürlichkeit, die UH in den 1970ern so sehr ausgezeichnet hatte. Das liegt zu gleichen Teilen an ihrer jahrzehntelangen Tourerfahrung, die UH in bisher 61 Länder führte, wie auch an ihrem neuen Produzenten Jay Ruston (Winery Dogs, Europe uvm.). Er ließ die Band wie in den 1970ern die Songs  fürs neue Album live einspielen und setzte sich als Toningenieur sogar eigenhändig an die Regler, immer getreu dem Motto, eine fantastische Live-Band sollte man auch im Studio möglichst „live“ spielen lassen, also ohne zu viele Schnitte und Nachbesserungen bei der Produktion vorzunehmen. Ruston gelingt so das bemerkenswerte Kunststück, den Eindruck zu vermitteln, ein Original Album aus den 1970er – 1990er Dekaden zu hören, das schon mit der Aufnahmetechnik des Jahres 2018 eingespielt wurde. Hier hat einer, wie bei guten Dokumentarfilmen, einfach mal mit der Kamera „draufgehalten“ und den Moment eingefangen. Dabei haben Uriah Heep und ihr Produzent alle Trademarks der Band in Szene gesetzt, die man von ihr hören will: mehrstimmige Chorsatz-Gesänge, sogar a capella, wie im Intro des Titelstücks „Living The Dream“, Mick Boxs peitschende Gitarrenriffs, wie in „Take Away My Soul“, Phil Lanzons „wall of sound“–Breitband-Orgel („Grazed By Heaven“), Bernie Shaws lyrischen Gesang in Progrockigen Songs wie „Rocks In The Road“ oder „It’s All Been Said“, Dave Rimmers mäandernde Bassläufe und Russel Gilbrooks für den ultimativen Drive sorgende Double-Bass-Drum Attacken („Knocking At My Door“). Auch ein wunderschöner Akustik-Gitarrensong umschmeichelt wieder die Ohren der Fans – mit bewährter Tambourin Begleitung („Waters Flowin‘“). Und: keine Band aus der Schwer-Metall-Branche spielt so leichtfüßig die diversen Formen des Shuffles wie UH. Sie waren die Ersten ihres Genres: vor dem Urknall des Heavy Rocks, auch des Heavy Metals war – Swing. Songs wie „Knocking At My Door“, „Falling Under Your Spell“ oder „Goodbye To Innocence“ kommen dermaßen locker daher, dass Daumen und Zeigefinger wie von selbst auf den Back-Beat schnipsen und der Kopf in den Head-Banging Modus geht. Dass die Band zudem freundschaftlich verbunden ist, spürt man an ihrer Freude, wie jeder Beat, jeder Takt, jeder Ton förmlich zelebriert wird. Kaum zu glauben, dass UH nun schon bald in das 50ste Jahr ihres Bestehens geht - nicht eingeweihten Zuhörern könnte die Band als wesentlich jünger durchgehen. Sie wirkt auf „Living The Dream“ wie losgelassen, jammt sogar munter drauf los, so spielt Mick Box im Song „Take Away My Soul“ mit fauchender Wah-Wah-Gitarre sein längstes Solo auf einer Studioaufnahme seit „The Magician‘s Birthday“. Mit solchem Spirit und jugendlichem Draufgängertum wird UH ihr Publikum  sicher durch die  kommende sechste Dekade rocken - mit jedem Liveauftritt und mit jedem neuen Album. Und „live on stage“ sind sie am 9. November im Audimax in Regensburg zu erleben! (Frontiers Records) Judy

*******

******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal