Ordinary Madness

on Tuesday, 21 July 2020. Posted in CD

Walter Trout

Ordinary Madness

Walter Trout ist ein echter Blueser und hat den Blues schon selbst erlebt. Der für Trout bisher am schwersten wiegende Schicksalsschlag kam in Form einer unheilbaren Lebererkrankung, die er 2014 nur dank einer von Spenden finanzierten Organtransplantation überstand. Buchstäblich wie neu geboren und auf der Höhe seiner Kunstfertigkeit als Instrumentalist wie auch als Songwriter präsentierte Walter Trout die anschließend erschienenen Alben „Battle Scars” (2015) und „We’re All in This Together” (2017). Mit dem passend bezeichneten Album „Survivor Blues” erreichte er den Spitzenplatz der Billboard Blues Charts und die CD wurde von der Zeitschrift Classic Rock zum besten Bluesalbum des Jahres gekürt. Anlässlich dessen hieß es dort: „Walter Trout hat nicht nur überlebt, er blüht jetzt förmlich auf!”. Im Sommer dieses verflixten Jahres ist die Zeit für die Veröffentlichung von ganz gewöhnlichen klingenden Wahnsinns aus Trouts eigener Feder reif. Eingespielt wurden die elf darauf enthaltenen Titel mit Produzent Eric Corne in Los Angeles, im Studio des früheren The-Doors-Gitarristen Robby Krieger. Die auf „Ordinary Madness” zu hörende erstklassige Band setzt sich neben Walter Trout selbst aus Bassist Johnny Griparic, Teddy Andreadis an den Keyboards und Drummer Michael Leasure zusammen. Neben Trouts Sohn Jon wirken die US-Sängerin Teeny Tucker sowie Skip Edwards (Steel Guitar), Drake „Munkihaid” Shining (Keyboards) sowie Anthony Grisham (Gitarre) als Gastmusiker mit. Bekanntlich stets für Überraschungen gut, schlägt Trout diesmal einen vergleichsweise weiten musikalischen Bogen über das von ihm gewohnte Bluesrock-Terrain hinaus. Dieser reicht von elektronischen Spielereien beim Intro zum Titeltrack, über Ambient-artige Gitarrensounds („Wanna Dance”) bis zu beinahe schon floydigen („Up Above My Sky” - Klasse!) und anderen nahezu psychedelisch anmutenden Klangmustern („The Sun Is Going Down”). Ab und an brechen sich nach Hardrock oder Metal anmutende Riffs ihre Bahn, wozu versöhnliche, stellenweise gar liebliche Töne wie beim Country-beeinflussten „My Foolish Pride” einen reizvollen Kontrast bilden. Die Erweiterung des musikalischen Focus hat Walters Neuwerk gut getan. Dass unmittelbar nach Fertigstellen dieses Albums die Corona-Pandemie mit voller Wucht  über die USA hereinbrach und die damit verbundenen Maßnahmen auch größere Konzerte auf absehbare Zeit unmöglich gemacht haben, ist zwar Zufall – jedoch einer, der in Walters Karma passt. Aus alldem zieht Walter Trout seine ganz persönlichen zum Glück nicht nur bluesigen Schlüsse. Diese lauten kurz zusammengefasst: „Lasst uns einfach immer auf das Licht am Ende des Tunnels hoffen.” Ok, Mr. Trout! Klasse BluesRock-Album, der Mann spielt in der gleichen Liga wie Bonamassa, Clapton oder Stan Webb. Eben in der Bluesrocker-Champions-League. Well done Walter. (Mascot) HuGe

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