Ozone Park

on Wednesday, 05 June 2019. Posted in CD

Hollis Brown

Ozone Park

Kann eine Band grundsätzlich verkehrt sein, die ihren Namen dem Dylan-Song „The Ballad of Hollis Brown” von dessen 1964 erschienenem Album „The Times They Are a-Changin’” entlehnt? Und die Velvet Undergrounds „Loaded”-Album von 1970 sowohl auf der Bühne als auch mit einer Neueinspielung im Studio dermaßen beseelt coverte, dass altgediente Fans der legendären Underground-Helden sich beim Hören tief berührt und voller Freude die Hände reiben? Wohl kaum. So weit, so gut – schon mal reichlich Sympathiepunkte also für diese Band aus New York. Das Quartett aus dem Stadtteil Queens ist seit zehn Jahren aktiv und versteht sich mit Blick auf seine musikalischen Vorbilder aus den 1960er- und 1970er-Jahre sehr selbstbewusst als, so wörtlich, „letzte der großen amerikanischen Rockbands”. Als dementsprechend starkes und ausgesprochen vielseitiges Statement präsentiert sich das neue Album „Ozone Park”. Die Band wurde 2009 von Sänger und Gitarrist Mike Montali sowie Leadgitarrist Jonathan Bonilla ins Leben gerufen. Neben den beiden Gründern gehören Adam Bock an den Keyboards und Schlagzeuger Andrew Zehnal zur aktuellen Besetzung. Die Karriere von Hollis Brown kam in New Yorker Clubs in Fahrt, wo sich die Gruppe mit ihren Mischung aus zeitlosem, bisweilen Blues-und Southern-Rock-getränktem Rock, Garage- und Indie-Sound sowie hier und da einer guten Prise Americana Gig um Gig eine loyale Fanbase erspielte. Auf das selbstbetitelte und selbst vertriebene Debütalbum folgte vier Jahre später „Ride on the Train” und die daran anschließende erste Europatour ließen Hollis Brown auch international Fuß fassen. Bei einem Tribute-Konzert für den 2013 verstorbenen Lou Reed führte die Band das Velvet-Underground-Album „Loaded” so erfolgreich auf, dass anschließend der Beschluss fiel, es in Gänze unter dem Titel „Hollis Brown gets Loaded” neu einzuspielen. Die Aufnahmen wurden der Öffentlichkeit zunächst anlässlich des Record Store Days als limitierte LP zugänglich gemacht, 2014 folgte eine Neuauflage als CD. Darüber hinaus gehören inzwischen die Studioalben „3 Shots” und „Cluster of Pearls” zur Diskographie der Amerikaner – und nun „Ozone Park“ als aktueller Longplayer. Der entstand unter der Regie von Produzent Adam Landry in den Unity Gain Studios in Fort Meyers, Florida. Die zehn auf dem Album enthaltenen Stücke klingen durch die Bank sophisticated, melodisch und harmonisch, das stilistische Spektrum erstreckt sich von soulig-beschwingten Tönen („Blood From a Stone”, „Stubborn Man”) über Gitarren-dominierte Americana („She Don't Love Me Now”) und funkige Sounds („Go For It”) bis zu beinahe Hardrockigem („Bad Mistakes”). Alles wirkt dabei absolut organisch, nichts mutet aufgesetzt oder gekünstelt an. Hollis Brown kultivieren trotz der Vielfalt hier verarbeiteter Einflüsse ein homogenes Klangbild, das Mike Montali als „real band sound” beschreibt: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile, wie bei den Beatles, bei Led Zeppelin oder von mir aus auch bei den Ramones: Wäre auch nur einer von uns hier nicht mit von der Partie gewesen, wäre ‘Ozone Park’ eine ganze andere Platte geworden.” Auf das eingangs genannte Selbstverständnis als letzte große US-Rockband kommt Montali mit folgenden Worten zurück: „Musik wie unsere steckt man oft in die Retro-Schublade, indem man sie mit dem Werk von Künstlern vergleicht, die absolut großartig waren, inzwischen aber einfach richtig alt sind. Als Hollis Brown wollen wir zeigen, dass man mit zeitgemäßen Mitteln und eigenständigem markanten Sound genau so gut sein kann, wie all die vielen wunderbaren Acts aus der Vergangenheit.” Also unbedingt mal Reinhören in diese Songs, es lohnt sich! (Mascot) P.Ro

*****

******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal