Power Up

on Sunday, 15 November 2020. Posted in CD

AC/DC

Power Up

Erstmal das Wichtigste vorneweg: AC/DC haben ein neues Album draußen und das ist für mich in dieser verrückten Zeit einfach eine Tatsache, die ich einfach maximal abfeiere. Der Rock and Roll der Australier hat zumindest bei mir eine große Vorfreude ausgelöst, denn ich weiß, es gibt auf jedem ihrer Scheiben drei bis vier Songs, zu denen ich auch nach vielen Jahren immer und immer wieder zurückkehre und die somit mein Leben durchaus bereichert haben. Im Falle von "Power Up" sind bisher bei mir ganz weit vorne "Shot in the Dark", "Demon Fire" und "Realize". Nach mehreren Hördurchgängen wächst der Rest der zwölf neuen Titel ebenfalls für mich. Ich gehe mal davon aus, jeder Fan hat das Ding schon gehört oder zu Hause, also beschränke ich mich auf das was mir aufgefallen ist. Vom Ansatz her ist die Richtung (zumindest seit "Black Ice") ganz klar: Die Band schreibt fürs Stadion und eine trockene, bluesgetränkte Produktion vom Kaliber "Ballbreaker" oder "Stiff Upper Lip" (übrigens mein Favorite) konnte man deshalb nicht erwarten. Aber das ist auch vollkommen OK so. Man kann es mit "Star Wars" vergleichen. Viele Fans hängen noch wehmütig den ersten drei Teilen nach und können mit den Fortsetzungen nichts anfangen. Dagegen gibt es ein einfaches Mittel: man geht einfach nicht ins Kino! Alle anderen freuen sich über die gute Unterhaltung. Das gilt auch für "Power Up". Produzent Brendan O´Brien, der bekannt dafür ist, auf besondere Momente und Hooks im Studio zu setzen, hat diesmal mehr denn je die Chöre in den Vordergrund gebracht. Kaum ein Song kommt ohne die Shouts von Cliff, Angus und (wahrscheinlich) Stevie aus. Zudem rückt für meine Ohren auch wieder Bassist Cliff Williams ganz stark ins Zentrum. Wenn man von den speziellen Zutaten des AC/DC Sounds sprechen möchte, dann ist Cliff neben Drummer Phil Rudd gar nicht wegzudenken. Der Mann spielt mit Plektrum und es ist schon bemerkenswert, wenn man jemanden aus Tausenden anhand der Art wie er Achtelnoten spielt raushören kann. Zusammen mit Phil Rudd ist das wohl die beeindruckendste und vor allem swingendste Rhythm-Section der Rockwelt. Und natürlich die Riffs! Das Album ist Malcolm Young gewidmet, der vor seinem Ableben zusammen mit Bruder Angus immer wieder Material gesammelt hat. Man munkelt, das reicht noch für mehrere Veröffentlichungen. Aber ein Riff macht noch lange keinen Song. AC/DC haben einfach nach wie vor gutes Material und sie haben offenbar Spaß im Studio zusammen mit Brendan O´Brien daran zu feilen. Klar, hier wurde nichts dem Zufall überlassen. Hier gibt es keine Unsauberheit oder den Dreck unter den Fingern von zum Beispiel "Powerage". Aber es sind auch andere Zeiten. Sowas würde im Spotify-Universum einfach nicht gut genug klingen und somit untergehen. Für mich also ein mehr als würdiges und Alterswerk im zeitgemäßen Soundgewand. Wenn ihr euch dazu eine intensive und toll geschriebene Rezension reinziehen möchtet, dann lest euch die Classic Rock Rezi von Jacqueline Flossmann durch. Absolut auf den Punkt gebracht. (Columbia/Sony Music) T.G. Copperfield

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