Rise

on Wednesday, 05 June 2019. Posted in CD

Hollywood Vampires

Rise

Damit war nicht unbedingt zu rechnen. 2015 kamen Kino-Superstar Johnny Depp, Shock-Rock-Ikone Alice Cooper und Aerosmith-Gitarrenlegende Joe Perry als Hollywood Vampires zusammen, mehr als Spaßprojekt in Erinnerung an eine legendäre Bar in LA, die ein Treffpunkt für Rockstars war, die dort lebten oder dort zu Gast waren. „Um dem Club beizutreten, musste man nur alle anderen Mitglieder unter den Tisch saufen“, sagt Alice Cooper, ein Gründungsmitglied dieser Vampires. Vor vier Jahren beschlossen Alice und sein guter Freund Johnny Depp, dass der Geist der Hollywood Vampires wieder aufleben sollte – nur ohne das Trinken. Alice und Johnny erhielten Verstärkung von Joe Perry, der mit beiden langjährig befreundet ist, und das Zusammenspiel begann. Dazu kamen bald musikalische Kumpels wie Perry Farrell, Dave Grohl, Joe Walsh, Slash, Robbie Krieger, Zak Starkey, Brian Johnson und Kip Winger. Man ging auf Tour und nahm Titel ihrer alten Freunde und Helden  wie z.B. „Cold Turkey“, „My Generatin“ oder „I got a line on you“ auf. Dann war nichts mehr zu hören, man konnte annehmen, das damals ins Leben gerufene, mit einem gelungenen Album gefeierte Band-Projekt wäre nur ein einmaliger Spaß gewesen. Doch trotz ihres knallvollen, individuellen Terminplans haben die Drei es geschafft mit „Rise“ einen weiteren, enormen Spaß machenden Longplayer aufzunehmen. „Just for fun“ lautet auch diesmal die Devise, die schnell auf den Hörer überspringt. Insgesamt warten 16 Tracks auf den geneigten Hörer. Im Gegensatz zum Vorgänger sind die meisten diesmal Eigenkompositionen. Nur bei drei Songs handelt es sich um Coverversionen, nämlich der Bowie-Klassiker „Heroes“, „People Who Died“ von der Jim Carroll Band und Johnny Thunders’ „You Can’t Put Your Arms Around A Memory“, außerdem sind vier der Tracks nur kurze Zwischensequenzen zwischen zwei Songs. Produziert wurde der Longplayer von den Dreien selbst zusammen mit Tommy Henriksen (Tourgitarrist bei Cooper), der als viertes festes Mitglied dabei ist, dazu kommen wechselnde Studiomusiker am Bass, den Drums und Keyboards. Mit Jeff Beck und John Waters gibt es zudem zwei Gäste auf der Platte, und zwar im Lied „Welcome To Bushwackers“. Das stürmisch eröffnende „I want my now“ ist schön chaotisch und richtig lebendig und wirkt wie ein wahrer Orkan an Gitarren, Drums und herrlichem Rock’n’Roll-Piano, getoppt von Coopers grandioser Stimme. Mindestens ebenso geil sind das atmosphärische „Who’s laughing now“, das von Depp brillant interpretierte Bowie-Cover „Heroes“, das psychedelische „Mr. Spider“ sowie das herzzerreißende „You can't put your arms around a memory“ (im Original von Johnny Thunders), gesungen von Perry. Losgelöst von dem Ruf, der den einzelnen Interpreten dieser Starbesetzung vorauseilt, ist „Rise“ im wesentlich nichts weniger als roher, unverfrorener und purer Rock’n’Roll, an dem die Beteiligten enormen Spaß hatten, wenngleich das Songmaterial mit den Rock-Klassikern aus dem ersten Album nicht immer mithalten kann. (earMUSIC) P.Ro

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