Rough and rowdy ways

on Sunday, 21 June 2020. Posted in CD

Bob Dylan

Rough and rowdy ways

Bei Bob Dylans bisher letztem Konzert auf europäischem Boden, vergangenen Sommer in Kilkenney, Irland, kam für einen Song Neil Young (der zusammen mit Promise Of The Real das Vorprogramm bestritten hatte) mit auf die Bühne. Zusammen spielten und sangen sie einen Song: „Will the circle be unbroken“, von der Original Carter Family. Auch auf seinem neuen Album „Rough and Rowdy Ways“ tut Dylan alles dafür, damit der „Circle“ nur ja nicht gebrochen wird. „Blues und Balladen, Balladen und Blues. Bis dass der Tod uns scheidet“, scheint das Motto zu sein. Aber vorher wird natürlich nochmal kräftig auf die Pauke gehauen. „I was born on the wrong side oft he railroad tracks, like Ginsberg, Corso and Kerouac; like Louis, Jimmie and Buddy and all oft he rest.“ Dylan gibt auch auf „Rough and Rowdy Ways“ den Skeptiker, der immer noch an den Zäunen des Mainstreams rüttelt. Und das als 79jähriger Rockstar. Donnie Herron an der Geige und am Akkordeon, sowie Gitarrist Charlie Sexton liefern beide bemerkenswerte Parts, die keine Vergleiche mit irgendwelchen musikalischen Begleitern des Chefs aus den letzten Jahrzehnten zu scheuen brauchen. Aber ihre Beiträge liegen manchmal auch begraben in der Schlucht der Fifties-Sound-Formel, die Dylan seit „Modern Times“ von 2006 stringent durchzieht. Vielleicht hätte er nach zwanzig Jahre bei diesem Album wieder mal einmal eine*n widerborstige*n Produzent*in brauchen können, der/die nicht zu allem Ja und Amen sagt. Neben seiner aktuellen Touringband sind übrigens einige Gastmusiker*innen an „Rough and Rowdy Ways“ beteiligt gewesen, die man definitiv nicht auf dem Zettel haben konnte: Etwa Fiona Apple, Gitarrist Blake Mills von den ehemaligen kalifornischen Hoffnungsträgern The Dawes und Jazz-Pianist Alan Pasqua. Pasqua hat Dylan im Studio zuletzt vor beachtlichen 42 Jahren auf „Street Legal“ und dann bei der großen Welttournee unterstützt. Diese Tour führte Dylan dann auch zum ersten Mal nach Deutschland. Ich weiß nicht, was die Veteran*innen des Konzerts vom 1. Juli 1978 am Zeppelinfeld in Nürnberg zu „Rough and Rowdy Ways“ sagen werden. Ich sage, sein bestes Album seit knapp 20 Jahren ist es auf jeden Fall. (Sony Music) Erhard Grundl

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