Signs of Wings

on Sunday, 06 October 2019. Posted in CD

Sascha Paeth’s Masters of Ceremony

Signs of Wings

30 Jahre nach seinem CD-Debüt mit Heavens Gate - “In Control” - veröffentlicht der Wolfsburger Gitarrist und Produzent Sascha Paeth seine erste Solo-CD unter dem Projektnamen „Masters of Ceremony” auf dem umtriebigen italienischen Label Frontiers. Wer nun das übliche musikalische Muster des Labels erwartet (altgediente Bands auf dem musikalischen Gnadenhof, Supergroups, die keine sind, usw.) sieht sich getäuscht. Eingebettet in ein klasse Soundgewand (nicht immer eine Selbstverständlichkeit bei Frontiers, aber bei dem Produzenten dann kein Wunder) und flankiert von tollen Mitmusikern (von Avantasia) und einer grandiosen Sängerin Adrienne Cowan, die von zarter Stimmer über ‚harte Doro Pesch‘ bis fast schon Arch Enemy- artigen leichten Death Metal-Growls alles zu bieten hat, wird hier – wie ich finde -richtig tolles Liedgut aufgefahren. Schon beim Einstiegsdoppel wird erstmal richtig Vollgas gegeben und gebraten bis die Gitarre und auch die Ohren glühen. Hier bekommt man auch schon mal einen sehr guten Vorgeschmack auf die enorme Bandbreite der Sängerin. Vor allem beim zweitenSong fräst sich der Refrain ins Ohr. Die erste Single (Track 1 „The Time has come“) kann man sich bei Youtube zu Gemüte führen. Mit den nächsten beiden Songs wird dann die Geschwindigkeit etwas zurückgefahren und die Lieder könnten auch von Bands wie Helloween oder Gamma Ray, nur mit weiblichem Gesang, stammen bzw. von In Extremo (Track 3 mit seiner schunkeligen folkigen Melodie und dem Akkordeon (?)). Der erste extrem ungewöhnliche Song folgt dann an #7 mit “The Path” - einer grandiosen Ballade, getragen von einer lieblichen Stimme und begleitet nur von Piano und echten Streichern (oder aus dem Computer). Könnte auch aus einem Andrew Lloyd Webber-Musical a la Phantom der Oper stammen. Beim nächsten Song “Sick” ist der Titel Programm, denn was hier gesanglich abgeht, ist echt sick. Industrialmäßig verzerrte Vocals treffen auf normalen Metalgesang, nur um im Refrain in Death Metal ähnliche Growls zu mutieren. “Weight of the World” dagegen könnte von der ganzen Musik her auch auf einem Avantasia-Album stehen. Hier kommen coole Hammondorgel-Sounds zum Einsatz in einem flotten Heavy Rock Song, in dessen Mitte sich dann die Orgel fast schon Deep Purple-mäßig ein Duell mit der Gitarre liefert. Ein weitere Höhepunkt der Scheibe wie ich finde. Der vorletzte Song könnte so auch von Gary Moore während seiner “Wild Frontier”-Phase stammen und erinnert irgendwie an “Over the Hills…”. Der Refrain katapultiert einen gedanklich in einen irischen Pub. Die Gitarrenarbeit könnte auch fast von einem Thin Lizzy-Album bzw. der Black Star Riders stammen und das schön lange Soli ist wie immer Granate:Toller Song, sehr angenehm gesungen (für alle, denen die Screams and Growls eventuell zu viel des Guten sind) und ein weiterer Höhepunkt auf diesem Album. Beim abschließenden Titelsong glänzt Adrienne nochmal mit lieblichem Gesang, der mich irgendwie im ruhigen Anfang an Agnetha bzw. Anne Fried erinnert, bevor es dann geschwindigkeitsmäßig flotter weitergeht. Der Refrain ist toll gesungen, die Streicher (?) streichen toll, die Keyboards sind perfekt eingesetzt und das Gitarrensolo passt auch wie immer zum Song. Ist ja bei technisch starken Gitarristen nicht immer der Fall. Der epischte und mit über fünf Minuten längste Song fadet dann ganz ruhig aus. Ein klasse Einstand, der Lust auf mehr macht. Ich hoffe mal, dass das nicht ein One-off war und vergebe 5,5 Punkte. Und alle, die gerne erst mal lieber “reinhören” wollen, können sich bei Youtube zwei weitere Songs reinziehen - “Sick” und “Die just a little” sind nun auch als Videos verfügbar. (Frontiers) HJH

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