Something on me

on Wednesday, 14 October 2020. Posted in CD

Snowy White & the White Flames

Something on me

Musikkritiker-Liebling Snowy White ist immer noch vielen – leider –  kein Begriff. In gut informierten Kreisen ist bekannt, dass er sogar bei THIN LIZZY Bandmitglied war und bei PINK FLOYD „live on stage“ mit gespielt hat. Jedoch sind auch seine vielen Solo-Alben keinesfalls zu verachten – im Gegenteil. Eine der besten bzw. schönsten Balladen stammt von ihm - „Bird of Paradise“. In vielerlei Hinsicht ist Snowy White einer der wenigen verbliebenen in der Reihe britischer Blues-Gitarristen, die bis zu den Wurzeln der britischen Blues-Bewegung der späten fünfziger und frühen sechziger Jahre zurückreicht. Sein „slowhanded Stil“ erinnert sicherlich an Namen wie Clapton und Peter Green (mit denen er gut zusammen gearbeitet hat), vermischt mit dem Progstil von Dave Gilmour und mitunter dem Latin-Feeling von Carlos Santana. Snowys Version von „Black Magic Woman“ ist so gut wie das Original von Fleetwood Mac. Bei seinem Spielstil geht es nicht um Flitzefinger-Geschwindigkeit, der Mann will Speedy Gonzalez nicht schlagen, Snowys Gitarre „schwebt“ und „singt“, der Mann hat Feeling. White ist in hohem Maße die Summe seiner Teile, was bedeutet, dass er - obwohl man in seinem Spiel fünfzig Jahre lang immer wieder den Blues durchhört - sein eigener Mann als Spieler bleibt. Interessanterweise rührt ein Teil dieser Einzigartigkeit nicht nur von seiner Gitarrenarbeit her, sondern von seinem sorgsamen Gesangsstil, der ihn als ein Unikat und nicht als Imitator auszeichnet. Man hat das Gefühl, dass Whites Blues eher aus der Tatsache herrührt, dass das von Carlos Santana geliehene Auto am Stadtrand liegen geblieben ist, als aus dem Ergebnis satanischer Geschäfte, die in Mississippi stattfanden. Und das ist Teil seines Charmes. Auf „Something on me“ kredenzt uns Snowy einmal mehr relaxten Groove und erstklassige Midtempo-Songs die zum Träumen animieren - ohne in Schmonz und Schmalz abzugleiten. Tolle Platte für Bluesfans, denen die üblichen – eher traditionellen - Bluesstücke schon ein wenig zum Hals heraus hängen. (Label Snowy White/Soulfood) HuGe

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