Spring

on Wednesday, 31 July 2019. Posted in CD

Spring

 Spring

Es war einmal in den 70er-Jahren des letzten Jahrtausends: Eine mysteriöse LP im Triple-Foldout-Cover, gesehen und gehört bei einem Plattenfreund. Mit Müh und Not konnte ich ihn überzeugen, mir dieselbe zum Aufnehmen auf mein Braun-Spulentonband – aber nur für einen Tag - zu leihen. Was für eine Musik! Was für eine rätselhafte Platte! Ich war wild entschlossen, die Scheibe alsbald käuflich bzw. physisch zu erwerben – keine Chance. Niemand hatte die, selbst erfahrene LP-Verkäufer in Spezialläden malten Fragezeichen mit ihren Augen. Erst Jahre später konnte ich die, inzwischen zu meiner Lieblingsplatte gewordene, Rarität im Oldie-Markt (Auktionszeitschrift für Vinyl-Liebhaber) erwerben. Inzwischen ist die Original-LP in der Kategorie „Unbezahlbar“ angelangt, die Sammlerszene weiß sie zu schätzen und ich selbst werde sie wohl mit ins Grab nehmen. Aber seid getrost, es gibt Nachpressungen auf dem Akarma-Label und natürlich Re-Issue-CDs von diversen Anbietern.  Am interessantesten ist die Doppel-CD von 2015 auf dem Esoteric/Cherry Red-Lebel mit 17 Demos und zusätzlichen Aufnahmen von 1971, natürlich alles remastered. Was ist nun los mit dieser akustischen Perle? Wer steckt hinter dieser Band? Es geht um eine nur in Sammlerkreisen bekannte UK-Band, 1970 gegründet und wohnhaft in Leicester, bestehend aus Sänger Pat Moran, Gitarrist Ray Martinez, Drummer Pick Withers, Bassist Adrian Maloney und Keyboardist Kipps Brown. Nach nur einer LP (eben jener) kam nichts mehr, Jahrzehnte später erschien „SPRING 2“, die für eine Veröffentlichung geplant war, aber in den Archiven verstaubte. Die Musiker spielten nach der SPRING-Auflösung in diversen Bands (Chris Jagger, Iggy Pop, Michael Chapman etc.), am bekanntesten wurde wohl Meisterdrummer Pick Withers, den man auf den ersten DIRE STRAITS-Alben findet. Aber zurück zur Musik: Wir hörten damals begeistert komplexen Progrock, also frühe GENESIS, YES, KING CRIMSON und GENTLE GIANT. Wer sich für diesen Sound begeistern kann, sollte unbedingt einmal in die SPRING hineinhören, er wird verblüfft sein. Man findet lange Mellotron-dominierte Stücke, Polyrhythmik, sogar Flöte, Violine und eine 12-String-Gitarre neben der üblichen Rock-Instrumentierung, Dramatik, eine hervorragende Rockstimme und vor allem faszinierende Kompositionen, die man immer wieder hören kann. Und immer wieder Neues darin entdeckt. Wer auf frühe MOODY BLUES, Sammlerperlen wie CRESSIDA oder FANTASY / PAINT A PICTURE steht, kann nicht umhin diese Platte über den sprichwörtlichen grünen Klee zu loben. Ich kann nur 8 Punkte von 7 möglichen geben, das ist eine der fünf Platten für die einsame Insel (falls es dort eine gute HiFi-Anlage gibt) - besser geht es nicht. (RCA) HuGe