Sting

on Sunday, 20 October 2019. Posted in CD

The Edge Of Reason

Sting

Einen richtig fiesen Stachel rammen die Emo-Metaller von The Edge Of Reason uns mit „Sting“ ins Ohr. Ab dem Opener „A Strange You Know“ zeigen die vier Musiker (zweimal Gitarren, Bass und Drums) und Ausnahme-Sänger Ro Seven eindrucksvoll, dass auch bei dieser schon speziellen Nische auch mal Substanz über Stil siegen kann. Klar könnte sich der Metal-Purist am verstärkten Einsatz von Synth und Keyboards und die teilweise schon rechten poppigen, teils Mainstream-Radio-tauglichen Arrangements stören, wären da nicht die gelungen gesetzten, tiefer gestimmten Gitarrenbretter, Shouts und Breaks, die im Nu alles wieder schön ins passende Schwarzlicht stellen. Wirklich hervorzuheben auch hier die gekonnte Abwechslung, die jedem der wirklich gelungenen 13 Songs eine eigene Note verleiht. Hier wurde hörbar lange an einzelnen Sounds gefeilt und das Endergebnis klingt erwartet amtlich. Auch textlich weichen die Emos von 08/15- oder Fantasy-Niveau ab und geben sich deep: durch den steigenden gesellschaftlichen Druck fallen zunehmend Menschen psychischen Krankheiten anheim und werden dadurch zusätzlich von Mitmenschen stigmatisiert. Musik - und nicht nur die von TEOR- kann dabei helfen gemeinsam zu überwinden. Sie birgt die Kraft, verdrängte negative Energien zu befreien und in etwas Positives und Schönes zu verwandeln, um so nicht den Verstand zu verlieren. Sie ist ein Mechanismus der Selbstverteidigung, so wie der Stachel einer Biene – und die kann so gelb, bunt und harmlos wie sie aussieht auch mal richtig zustechen. Und analog zum auf dem Cover abgebildeten Insekt hängt sich der Stachel ebenso wie die Musik der fünf „Emos“ im Zweifel richtig hart fest! Mächtig gelungen schon auf Platte und vor allem live ein brutaler Killer! (stf-Records) HL

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