The Isolation Tapes

on Sunday, 11 October 2020. Posted in CD

Kadavar

The Isolation Tapes

Es traf unzählige Bands überall, als im März covid19-bedingt der Lockdown kam. Speziell die Musiker hatten und haben darunter zu leiden. Und sie reagierten unterschiedlich. Die Berliner KADAVAR haben die vergangenen Monate der Corona-bedingten Einschränkungen genutzt und mit "The Isolation Tapes" ein neues Studio-Album aufgenommen. Die neue Platte werden die Berliner über ihr eigenes Label Robotor Records veröffentlichen. Erst letztes Jahr im Oktober veröffentlichten Kadavar ihr bisher erfolgreichstes Album „For the Dead Travel Fast“. Ihr fünfter Streich schaffte es bis auf Platz 8 der deutschen Albumcharts. Etwas mehr als ein Jahr später folgt nun bereits ihr sechstes Studioalbum. Der Lockdown und die bis heute andauernde schwierige Phase für die Kunst und Kultur im allgemeinen hat ihren „inneren Kompass zu schwingen“ gebracht und „eine Kollektion ihrer seltsamsten Kompositionen“ zu Tage befördert, kann man in ihrer offiziellen Pressemitteilung lesen. Die neuen Stücke nehmen den Hörer mit auf „eine Reise zu ihren musikalischen Wurzeln und zurück in die Zukunft.“ Das Album enthält „gedankenverändernde Songs über Isolation, Transformation und spirituelles Wachstum, die aus dem Corona Lockdown hervorgegangen sind“, heißt es weiter. Angefangen am Album zu schreiben haben die drei Musiker nach einem Mitte März gestreamten Live Konzert aus ihrem Aufnahmestudio. Die Band begann erste Ideen aufzuschreiben, die ganz „ohne Druck wachsen konnten und schließlich zu „The Isolation Tapes“ wurden.“ Bei ihrer Zeit im Studio herrschte eine nie zuvor gekannte Stimmung, wie Sänger und Gitarrist Lupus Lindemann erläutert: „Es kam alles auf einmal und es gab keine Möglichkeit, dagegen anzukämpfen. Nicht mehr touren, zu Hause bleiben, alles auf Eis legen. Bei all den negativen Seiten, die ein Lockdown mit sich bringt, gab es auch einige Tage, an denen ich mich als Vogel frei fühlte. Ich war außer Reichweite und es war in Ordnung. Es ist eine Weile her, seit ich mich tatsächlich so gefühlt habe. Und ich glaube, wir alle haben es gebraucht. Wir konnten einfach mitmachen und Musik von allem machen, was uns in den Sinn kam.“ Inmitten dieser ambivalenten Stimmung sind insgesamt zehn Songs entstanden, die vielleicht leiser sind als ihre Musik zuvor, wie Lindemann weiter erklärt: „Die Zeit der Isolation war eine sehr intime Zeit, die nicht dazu einladen würde, einfach so ein weiteres Hardrock-Album zu schreiben. Zuhause suchte ich nicht nach lauten Gitarren oder Klangwänden: innen und außen wurde alles ruhig, bis der Klang fast verschwand. Ich hörte mir Dinge an, die ich normalerweise nicht hören würde, wie Wassertropfen, Schritte, Vögel oder Wind. Also begannen wir, aus diesem neuen mentalen Zustand heraus aufzunehmen.“ Das hört man ganz klar beim bereits vorab veröffentlichten Song „Everything is Changing“. Da gibt’s keine harten Gitarren und auch auf den voluminösen Sound, den man sonst von Kadavar kennt, wird verzichtet. Vielmehr ist er ein leiser und zurückgenommener Song, der nach einer ruhigen Ballade der Beatles klingt. Dazu der Kommentar von Tiger Bartelt: „Früher hatten wir eine Art klare Vision, sobald wir anfingen, eine Aufnahme zu machen. Und es gehörte immer dazu, eine Verbindung zur vorherigen Platte herzustellen. Dieses Mal war es anders. Wir hatten keine Orientierung, keine Erwartungen an uns selbst, könnte ich sogar sagen. Corona nahm unsere Schwerkraft…“ Das klingt dann oft recht sphärisch mit einem leichten Psychedelic-Touch. Man höre nur mal in „The world ist standing still“, da standen klar Pink Floyd Pate. Ungewohnt für Kadavar, aber cool! Fazit: Die (Wahl-)Berliner schaffen es immer wieder sich neu zu erfinden - diesmal hat der ein oder andere Synthesizer dazu beigetragen und auch um das Gesicht herum ist es etwas luftiger geworden :) Tipp: Einfach reinhören und sich treiben lassen! (Robotor Records) P.Ro

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