The Psychoustic Sessions III

on Friday, 27 September 2019. Posted in CD

Radio Haze

The Psychoustic Sessions III

Radio Haze! Ich erinnere mich noch gut, als ich diese Abensberger Band das erste Mal auf dem Festival Holledau 2011 gesehen habe. Ich kannte sie vorher nur vom Hörensagen und ich war schwer beeindruckt. Rein optisch könnte man meinen es handle sich um ein klassisches „Power-Rocktrio“, wie es sie in den späten 60er und 70er Jahren so zahlreich gab. Gitarrendominierter harter Bluesrock. Radio Haze lassen sich jedoch in diese Schublade nicht so einfach stecken, auch wenn mitunter Einflüsse jener großen Zeit der Rockmusik durchaus erkennbar sind. Ihr Songmaterial ist vielschichtiger, komplexer, progressiver. Hier klingt kaum etwas dreckig hingerotzt, was ja auch seinen Reiz haben kann, nein hier sind Perfektionisten am Werk. Ihre Songs sind durchdacht und auch klanglich wurde da getüftelt und gedreht. Der Sound klingt professionell produziert und manchmal sogar symphonisch oder sphärisch. Manches erinnert durchaus auch an Bands aus den 90er Jahren. Ich fühlte mich z.B. irgendwann dazwischen spontan auch an Bands wie „Live“ erinnert. Solche Vergleiche hinken freilich immer. Deshalb will ich dieses Spiel jetzt auch gar nicht weitertreiben. Ihre mittlerweile vier Studioalben werden ergänzt durch inzwischen drei EPs, wo sich das Trio in psychedelisch akustische Gefilde begibt. Um ihrer musikalischen Vielseitigkeit noch mehr Ausdruck zu verleihen, wie sie selbst sagen. „Psychoustic Sessions III“ knüpft an die beiden Vorgänger an. Vier Songs aus dem letzten Album „Mountains“, neu arrangiert „in Raum und Zeit getränkte Unplugged-Nummern“, plus ein neuer für diese Veröffentlichung komponierter Song. Man darf sich jedoch hier kein reines Unplugged-Album vorstellen. Die Lagerfeuerstimmung, die auf dem ein oder anderen Foto oder Video auf der Homepage vorgegeben wird, will sich beim Anhören dieser Platte bei mir nicht einstellen. Ich fühle mich angesichts des teilweise üppigen Halls eher an eine Kirche oder an ein Schloß erinnert. Der unterlegte Keyboardsound und so manche Effekte verstärken diesen Eindruck. Lediglich die Percussions und die Akustikgitarren geben dem ganzen eine Art Unplugged-Flair. Das macht aber nichts. Und es geht der Band mit Sicherheit nicht darum uns hier eine aufgehübschte Unplugged-Mogelpackung unterzujubeln. Warum auch? Die Songs sind schön anzuhören, die neuen Arrangements durchaus gelungen. Mir persönlich ist der Sound vielleicht etwas zu poliert, zu perfekt; zwischendurch denke ich, manchmal wäre etwas weniger hier vielleicht mehr gewesen. Ich ziehe -zumindest gerade im Moment- auch die Albumversionen vor. Das ist aber reine Geschmacks- und auch Stimmungssache. Deshalb komplettiere ich gerne meine bisherige Radio Haze Sammlung mit „Psychoustic Sessions III“ und freue mich auf ihren nächsten Live-Auftritt. (Slash Zero Records) Norbert „Notorious“ Bauer

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