Third Degree

on Sunday, 08 September 2019. Posted in CD

Flying Colors

Third Degree

Wenn in der Chemie ganz bestimmte Elemente miteinander vereint werden, entsteht daraus eine explosive Mischung. Überträgt man dieses Verfahren auf die Musik, dürfte das auch auf Flying Colors zutreffen. Gitarrist Steve Morse (Deep Purple, Dixie Dregs, Ex-Kansas), Schlagzeuger Mike Portnoy (Winery Dogs, Ex-Dream Theatre, Transatlantic), Keyboarder Neal Morse (Transatlantic, Ex-Spock’s Beard), Bassist Dave LaRue (Dixie Dregs, Ex-Joe Satriani) und Sänger und Songwriter Casey McPherson (Alpha Rev, The Sea Within) haben ihre verschiedenen Talente und ihr musikalisches Können zu einem großen Ganzen verschmolzen. Das dokumentiert das neue, dritte Studioalbum der Band recht eindrucksvoll. „Third Degree“ ist das dritte Studioalbum in zehn Jahren und der Nachfolger des genre-übergreifenden, selbstbetitelten Debüts aus dem Jahr 2012 sowie dem 2014er „Second Nature“. Der neue Longplayer baut auf der tief verwurzelten Verbindung, die während der letzten beiden Alben zwischen den Bandmitgliedern entstanden ist. „Zwischen uns herrscht eine ganz besondere Chemie.“, merkt Portnoy weiter an. „Je vertrauter wir einander werden, desto besser werden wir als Musiker und auch die Musik selbst reift dadurch immer weiter.“ Zwar liegen fünf Jahre zwischen „Second Nature“ und „Thrid Degree“, doch die ersten Aufnahmesessions fanden im erst im Dezember 2016 im Steves Studio in Florida statt, in dem sieben Songs geschrieben wurden. Danach mussten sich die Bandmitglieder wieder anderen beruflichen und privaten Verpflichtungen widmen, bis sie sich schließlich zwei Jahre später, im Dezember 2018, erneut trafen und drei weitere Tracks aufnahmen. (Der zehnte Titel, „Waiting For The Sun“, wird auf einer der kommenden Special Editions veröffentlicht werden.) „Es hat einige Zeit gedauert, das Album aufzunehmen.“, erzählt Portnoy. „Es ist leider sehr schwer, uns gleichzeitig in einem Raum zusammen zu bekommen. Doch wenn wir das geschafft haben, geht alles so leicht von der Hand.“ Anschließend reiste Portnoy ins Studio von Neal nach Nashville, um seine Schlagzeug-Parts zu schneiden, während Neal und Casey, wie schon in der Vergangenheit, bei regelmäßigen Skype-Sessions ihre Texte verbesserten. „Casey und Neal verleihen den Texten ein unglaubliches Maß an Menschlichkeit und Emotion.“, bewundert Portnoy die beiden. McPherson seinerseits staunt über Neals Talent bei den Harmonien. „Er ist brillant! Er kann seine Harmonien auf so viele Art und Weisen den verschiedenen Stilen anpassen. Das haut mich jedes Mal wieder um. Es ist wie Weihnachten und Ostern zusammen für mich, wenn Neal mir seine neuen Tracks schickt!“ Dabei zeigen die neun neuen Tracks deutlich, dass die Band neue Grenzen erkundet hat: von der psychedelisch-klassischen Leadsingle „More“ zum Beach-Boys-meets-Asia-Vibe von „Love Letter“ bis hin zum tief emotionalen, prog-lastigen „Crawl“. „Jeder Song ist für sich ein absoluter Ohrenschmaus.“, sagt Portnoy. „Jeder davon nimmt Dich mit auf eine entspannte kleine Reise, ohne dass die Gastfreundschaft des Zuhörers überbeansprucht wird.“ Für Steve Morse ist einer seiner Favoriten „Geronimo“: „Es hat eine optimistisch-jazzige, aber gleichzeitig auch schwer-melancholische Stimmung zugleich. Wir spielen das, was sich gut für uns anhört und uns zum Lächeln bringt. Wir fragen uns nicht, ob es Kritikern oder Programmchefs gefallen könnte. Es geht uns nur um die Musik!“ Auch Casey McPherson stimmt seinen Bandkollegen zu: „‘Third Degree‘ hat mir bewiesen, dass wir unseren eigenen Sound erschaffen haben. In dieser Band gibt es keine Egos und wir alle möchten nur das Beste aus uns herausholen. Dass dabei trotzdem die Einzigartigkeit eines jeden Bandmitglieds heraussticht, macht für mich an diesem Projekt am meisten Spaß.“ Mit anderen Worten: wenn fünf individuelle musikalische Elemente eins werden, sollten unweigerlich gute Dinge. Portnoy erklärt: „Wenn Prog-Typen wie Neal und ich sich Instrumental-Typen wie Steve und Dave anschließen und Casey der Mittelpunkt von allem ist, können wir Songs schreiben, die nicht nur unglaublich musikalisch, sondern auch genauso eingängig und melodisch sind.“ Da trifft durchaus zu denn „Third Degree“ ist ein technisch-virtuoses und gleichzeitig mitreißend-melodieverliebtes Gesamtkunstwerk. Die Band feuert hier aus allen Rohren und stellt dabei geschickt ihren musikalischen Charme unter Beweis. Und man darf gespannt sein, was da noch folgt, denn McPherson meint: „Diese Entwicklung wird beim vierten Album noch deutlicher zu hören sein.“ (Music Theories Recordings/Mascot) P.Ro

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