Weltschmerz

on Wednesday, 14 October 2020. Posted in CD

Fish

Weltschmerz

Mit der Band Marillion wurde er bekannt als ihr Sänger mit Welthits wie „Kayleigh“. Doch als die Band Marillion Mitte der 1980er-Jahre weltberühmt war, stieg ihr Sänger Fish prompt aus. 1990, zwei Jahre nach der Trennung von Marillion, veröffentlichte er mit „Vigil in a wilderness of mirrors“ sein erstes Soloalbum, seither folgten viele weitere. Nun erscheint das 13. und vermutlich letzte Werk des 62-Jährigen: „Weltschmerz“ heißt es – nicht bloß, weil der Schotte das Wort so mag. Rund fünf Jahre hat der schottische Poet an der Fertigstellung von „Weltschmerz“ gearbeitet. Nur unterbrochen durch den Tod seines Vaters und zahlreiche gesundheitliche Probleme des Sängers. Zu jedem der zehn neuen Songs auf dem Album hat Fish eine eigene Figur entwickelt, mit der er sich intensiv auseinandergesetzt und Hintergrundinfos dazu recherchiert hat. Reflektiert, wie der Künstler nun mal ist, hat er dabei Interessantes über sich selbst herausgefunden. Dazu Fish in einem Interview: „Dieses Album beinhaltet alle meine Erfahrungen und mein Knowhow. Und es ist mein finales Album. Ich konnte also machen, was immer ich wollte. Und genau das ab ich getan. Es ist exakt so, wie ich es haben wollte. Darum hat es so lang gedauert. Es ist so nah an der Perfektion wie nur irgend möglich.“ Musikalisch hatte sich Fish bereits auf den Vorgängeralben deutlich vom hit-orientierten Pop verabschiedet und sich zunehmend wieder dem Prog-Rock zugewandt. „Weltschmerz“ ist da zwiegespalten. Einerseits ist es teilweise schwierig alle Spielereien sofort zu erfassen. Beispielsweise im 16-Minuten Epos „Rose of Damascus“, in dem die Musik innerhalb von nur wenigen Augenblicken aus einem kurzen Walzer direkt in einen 7/8-Takt springt, während sich die Harmonik halbtonschrittweise weiterentwickelt. Das alles mit orientalischer Orchestrierung unter Fishs freie Reime gelegt. Puh! Natürlich gibt es auch profanere „Four-to-the floor“-Stücke, die ihre Popherkunft nicht verleugnen und so den Ohren Zeit zum Durchatmen geben. Insgesamt erstrecken sich die zehn Songs auf über 80 Minuten auf diesem Doppelalbum. Und das letzte Word hat Fish: „Ich glaube, es gibt eine Parallele zwischen meinen letzten Marillion-Album „Clutching at Straws“ und „Weltschmerz“. Beide markieren das Ende eines Abschnitts. Diese Aussage halte ich für sehr kraftvoll. Ich wollte meine Solokarriere mit dem besten Album beenden, das ich je gemacht habe. Schon immer. Ich wollte keinen schlechten Abgang hinlegen.“ Das ist ein würdiger Abschluss der Karriere dieses Geschichtenerzählers der Prog-Rock-Szene, und ganz verabschiedet er sich ja nicht, immerhin will er mit den Songs dieses Opus noch auf Tour gehen. Konzerte sind für den Herbst 2021 geplant. Und was kommt dann? „Die Leute fragen, wie kannst du nur aufhören und auf Rente gehen? Ich antworte dann immer: Ich ziehe mich nicht aus der Kreativität zurück. Ich entwickle mich weiter. In eine Richtung, für die ich bisher keine Zeit hatte. Ich möchte Bücher schreiben, ich möchte Drehbücher schreiben. Ich bin ein Schreiber, der singen kann. Ich bin kein Sänger, der schreibt. Da gibts einen großen Unterschied.“ (Chocolate Frog Company) P.Ro

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